Besser lernen ohne Likes? Das Handy-Verbot unserer Schule im Check
Ein Text von V. Münzel und M. Schilling
Nur mal eben die neue Nachricht checken, dann noch kurz durch TikTok und Instagram swipen oder das lustige YouTube Short weiterleiten - das ist verlockend und doch auch nicht schlimm, oder? Wer ein Smartphone bei sich trägt, weiß nur zu gut: Es ist schwer, dem Drang zu widerstehen, mal kurz das Handy aus der Tasche zu holen und sich ein wenig die Zeit zu vertreiben. Doch genau das wird in der Schule zunehmend zum Problem.
Ständiger Medienkonsum lenkt vom Lernen ab
In zahlreichen Bundesländern wird derzeit über strengere Regeln für die Nutzung von Smartphones im Schulalltag beraten. Bildungsministerien argumentieren, dass Handys im Unterricht häufig für Ablenkung sorgen. Und der Handykonsum hinterlässt bereits jetzt messbare Folgen: Die Sprache verflacht, der Wortschatz der Kinder nimmt ab und sie haben Probleme mit dem Satzbau, auch ihre Rechtschreibung wird schlechter. Außerdem treffen die Jugendlichen sich viel weniger in der analogen Welt, ihre soziale Kontakte pflegen sie digital. Kein Wunder also, dass selbst die Manager im Silicon Valley ihre Kinder längst vom digitalen Sog fernhalten.
Alarmierend ist darüber hinaus die Dauer der Nutzung digitaler Endgeräte. So seien Kinder und Jugendliche im Durchschnitt 37,5 Stunden in der Woche am Smartphone, das sind 5,4 Stunden täglich. Nimmt man alle digitalen Endgeräte hinzu, so ergibt sich sogar eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 65,5 Stunden in der Woche! Fatal, denn mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen geben an, dass sie ihr Smartphone gern weniger nutzen würden - doch sie schaffen es nicht, dem Reiz zu entkommen.
Das zeigt sich auch im Schulalltag: Smartphones werden heimlich unter dem Tisch genutzt, die Toilettengänge häufen sich. Und echte Gespräche in den Aufenthaltsräumen? Fehlanzeige. Denn die Blicke sind auf das Handydisplay gerichtet. Auch in den Pausen wird das Smartphone gezückt - natürlich dann, wenn die Lehrkraft gerade nicht hinguckt.
Arbeitsgruppe "Smartphonefreie Oberschule" entwickelt Regeln
Klar war also: Es muss eine Veränderung her, damit das Lernen wieder ohne Ablenkung möglich ist und die Unterrichtsinhalte sich besser verfestigen können. Schulen, die bereits ein Smartphone-Verbot eingeführt haben, berichten von ruhigeren Klassen und einer verbesserten Lernatmosphäre. An der Oberschule am Buchwedel gründete sich also eine motivierte Arbeitsgruppe von Lehrkräften, um ein Konzept zu erarbeiten. Dieses wurde mit der Schülervertretung und im Kollegium diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass bereits bestehende Regeln erweitert und konsequenter umgesetzt werden müssen, damit das Verbot digitaler Endgeräte von der Schülerschaft auch ernst genommen wird.
Hierfür wurde im Rahmen des Methodentags der Raum geschaffen, den Schülerinnen und Schülern die Gefahren ihres Nutzungsverhaltens zu verdeutlichen und die Auswirkungen auf ihre Lernmöglichkeiten aufzuzeigen. Denn die Schule soll ein sicherer Ort des Miteinanders sein und das funktioniert wesentlich besser, wenn soziale Interaktionen direkt und nicht über einen Bildschirm stattfinden.
Medienkompetenz bleibt Bestandteil des Schullebens
Doch sollte in einer digitalen Welt nicht der Umgang mit den Endgeräten vermittelt werden? Wie passt das Handy-Verbot zu einem Schulleben, das immer digitaler wird? Kommunikation über Iserv, ein digitales Klassenbuch und schon lange keine grünen Tafeln mehr in den Klassenräumen - ja, es stimmt, auch die Schulwelt ist digitaler geworden. Doch Medienkompetenz erlernen die Schülerinnen und Schüler nicht über die Apps auf ihrem Handy, sondern in Lehreinheiten im PC-Raum oder auf den schuleigenen iPads - mit Lehrkräften, die nützliche Funktionen für den Schulalltag erklären, die Inhalte einordnen und auf Gefahren hinweisen. Inzwischen gibt es deshalb schon seit fast zwei Jahren den Wahlpflichtkurs "Medienkompetenz" für Jahrgang 8 an der Oberschule am Buchwedel. Und seit Beginn des Schuljahres ist für die 5. Klassen das Erlernen des Umgangs mit Sozialen Medien verpflichtend - dabei werden sie von Lehrkräften unterstützt und sensibilisiert, in einem geschützten Rahmen und mit Raum für Fragen. Das Liken, Daddeln und Scrollen unterm Schultisch oder in den Pausen hingegen vermittelt keine Medienkompetenz, sondern fördert die Mediensucht. Dafür soll es an der Oberschule am Buchwedel künftig keinen Platz mehr geben.
Folgen für den Schulalltag und Konsequenzen
Um dies zu gewährleisten, sind sämtliche digitale Endgeräte, dazu zählen auch Smartwatches, ab sofort auf dem gesamten Schulgelände in dem Zeitraum zwischen 7:45-15:45 verboten. Sie müssen ausgeschaltet in der Tasche verbleiben. Außerdem werden alle Geräte zu Beginn eines jeden Unterrichts an einem zentralen Ort im Klassenraum gesammelt und sicher in Handygaragen verwahrt. Schülerinnen und Schüler, die sich an diese Regeln nicht halten, müssen mit Einträgen im Feedbackbrief rechnen und nachsitzen.
Für ein hohes Maß an Sichtbarkeit der neuen Regeln sorgen verschiedene Plakate, welche im Schulgebäude aufgehängt werden. Diese wurden von Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 5-7 gestaltet und sollen die Botschaft transportieren, dass die Benutzung von Smartphones, Smartwatches & Co an der Oberschule am Buchwedel nichts mehr zu suchen haben. Damit echte Kommunikation und nachhaltiges Lernen endlich wieder Raum hat.



